In unserem Garten steht ein Avocadobaum. Sehr praktisch, da er natürlichen Schatten bietet, wenn die Sonne wieder mal ordentlich knallt. Noch praktischer allerdings ist, dass er in den Wintermonaten den Nachschub an leckeren Avocados sicherstellt – und das in Bioqualität. Einfach in den Garten gehen, den Avocadopflücker schwingen und sich eine grüne Frucht direkt frisch vom Baum zupfen.
Vor der Frucht kommt allerdings die Blüte – gilt auch für Avocados. Aber wie sieht eigentlich eine Avocadoblüte aus und was passiert dann? Wir zeigen es euch, an unserem Baum:
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Die Avocadoblüte
Es ist Mitte April und unser Avocadobaum hat zahlreiche rispenartigen Blütenstande gebildet. Auf dem Foto sind sie gut zu erkennen, weil sie sich hellgrün gegen die dunkleren Blätter abheben.
Jeder Blütenstand trägt viele gelblich-grüne Blüten, die ca. 1 cm groß sind. Viele? Wirklich viele! Ein Avocadobaum soll über eine Million Blüten tragen. Die meisten werden aber keine Früchte bilden, was an dem kompliziertem Bestäubungsmechanismus liegt.
Die Bestäubung einer Avocaodo Blüte
Es gibt zwei Blütentypen (Typ A und B), wobei aber immer nur ein Typ an einem Avocadobaum vorkommt. Und es wird sogar noch komplizierter, denn jeder Typ hat zu einer bestimmen Tageszeit ein bestimmtes Geschlecht.
Beim Blütentyp A öffnen sich die Blüten morgens als weibliche Blüten mit empfängnisbereiter Narbe. Gegen Mittag schließen sich die Blüten. Und erst am Nachmittag des nächsten Tages öffnen sie sich wieder -diesmal als männliche Blüten, deren Staubbeutel Pollen entlassen . Beim Blütentyp B öffnen sich die Blüten nachmittags weiblich, bereit zur Bestäubung ihrer Narben. Die Staubbeutel entlassen aber erst am nächsten Morgen Pollen, wenn die Blüte sich männlich öffnet.
So eine Befruchtung braucht aber beides: Männliche Pollen und geöffnete weibliche Blüten. Heißt, jeder der beiden Typen allein kann nicht bestäubt werden und genau deshalb werden auf Plantagen immer beide Typen angepflanzt. Fehlt nur noch jemand, der die Pollen von A nach B trägt. Oder eben andersrum.
Hauptbestäuber sind Bienen. Allerdings haben wir auch schon zahlreiche andere Insekten an den Blüten gesehen und die schleppen bestimmt auch das ein oder andere Pollenkorn von Blüte zu Blüte.
In der Literatur heißt es, nur etwa jede 5000te Blüte entwickelt eine Frucht. Hat es bei uns geklappt? Werden wir Avocados bekommen? Ernsthaft, es gleicht einem Wimmelbild, wenn man zum ersten Mal seinen eigenen Avocadobaum absucht, ob er wohl eine Frucht gebildet hat.
Erste Fruchtansätze
Anfang Mai war es dann soweit. Die erste Frucht. Noch klitzeklein, aber das wird noch! Und wenn man erst mal im Dickicht der glänzend dunkelgrünen Blätter eine Frucht entdeckt hat, dann sieht man auf einmal ganz viele. Die Ernte ist gesichert 😉
Avocadofrüchte im Juni
Knappe 2 Monate später, Ende Juni: „Kind, was bist du groß geworden“. Ein Spruch den man früher gehasst hat und den man sich tunlichst verkneifen sollte, der hier aber hundertprozentig passt. Seht selbst: Eine wunderschöne, schon fast handgroße Avocado.
Bestimmung des Erntezeitpunkts von Avocados
7-9 Monate nach der Blüte ist es soweit, die Avocados sind physiologisch reif und damit pflückreif. Physiologisch reif bedeutet, dass die Entwicklung, das Wachstum und Bildung von Fetten und anderen Nährstoffen abschlossen ist. Allerdings ist die Bestimmung der Pflückreife und damit des Erntezeitpunktes nicht so ganz einfach, denn sowohl unreife als auch reife Avocados sind grün und hart. Zudem reifen nicht alle Früchte am Baum gleichzeitig. Kein Wunder, wenn der Baum nicht nur im April sondern auch Ende Juni Blüten produziert 🙂
Avocados, die physiologisch unreif geerntet werden, werden niemals richtig nachreifen, sprich weicher werden. Stattdessen werden sie einfach nur hart oder das Fruchtfleisch wird gummiartig. Physiologisch ausgereifte Avocados hingegen reifen in ca. 1-2 Wochen nach, werden dadurch weich und ess- oder genussreif (wie es die Aufkleber auf den vorgereiften Avocados aus dem Supermarkt so schön ausdrücken).
Glück für uns ist allerdings, dass Avocados selbst nach ihrer Pflückreife noch längere Zeit am Baum hängen bleiben können ohne das das Fruchtfleisch weich wird. Das passiert, wie gesagt, erst wenn die Früchte vom Baum gepflückt wurden (oder, wie in der Natur, vom Baum abfallen). So ist ein konstanter Nachschub an Avocados über einen langen Zeitraum garantiert.
Erst wenn alle Avocados abgeerntet sind, blüht der Avocadobaum angeblich erst wieder. Ob das so stimmt und für den ganzen Baum oder für einzelne Äste gilt, wir werden es beobachten und berichten!
Avocadoernte
Letzten Dezember, noch vor dem Start der ersten Renovierungsarbeiten, konnten wir das erste Mal unsere eigenen Avocados ernten. Aber wie erntet man die am besten? Offensichtlich mit einem Apfelpflücker, denn der stand noch von den Vorbesitzern im Patio. Unser Freund Oscar, hatte auch sogleich einen Tipp parat: Pflück die Avocados am besten so, dass der Stil an der Frucht verbleibt.
Und tatsächlich, wer sich eine Avocado aus dem Laden einmal näher anschaut, sieht oben an der Frucht ein klitzekleinen Stiel aus der Frucht ragen. So geerntet hält sich die Avocadofrucht länger, da keine Schädlinge/Bakterien eindringen können. Zudem ist die Festigkeit, mit der der Stiel in der Avocado steckt, ein ganz hervorragendes Kriterium zur Bestimmung der Essreife. Sagt Oscar. Näheres dazu, was in der Avocado nach dem Pflücken bis zur Genussreife passiert und wie ihr sonst noch erkennen könnt, ob eine Avocado essfertig ist, liest du hier.
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