Cueva del Viento: Abenteuerführung in der längsten Lavahöhle Europas

von Jutta

Die Cueva del Viento ist eine der bedeutendsten Lavaröhren der Welt und du kannst diese unterirdische Vulkanlandschaft mit einem professionellen Guide besichtigten. In einem perfekten Mix aus Abenteuer und Wissen erfährst du dabei in rund 2,5 Stunden jede Menge über die Vulkane, Natur und Geschichte von Teneriffa.

Wir haben die Cueva del Viento im letzten Dezember besichtigt und sind immer noch ganz begeistert. Unser Guide hat uns das Naturwunder im Inneren von Teneriffa fachlich exzellent und gleichzeitig leicht verständlich erklärt. Herzlichen Dank an Dragan für diese beeindruckende, informative und dazu noch unterhaltsame Führung! Kurz gesagt: wir können dir dieses Erlebnis wärmstens weiterempfehlen.

Teneriffas berühmteste Höhle

Was macht die Cueva del Viento so einmalig?

Die Cueva del Viento ist die längste Vulkanröhre Europas. Aber nicht ihre Länge macht sie so einmalig, vielmehr ist es

  • die ungewöhnlich komplexe Form: gewundene, in drei Ebenen übereinander liegende Lavaröhren und ein labyrinthartigen Netz aus verzweigten Lavagängen.
  • die außergewöhnliche Vielfalt der bizarren Lavastrukturen: darunter Lavatropfen und Lavastalaktiten sowie seitliche Lavaterrassen.
  • die einzigartige Vielfalt an Tierarten: von fossilen Resten längst ausgestorbener Tiere wie der Kanarische Riesenratte bis hin zu Tierarten, die perfekt an den Dunkelheit angepasst sind, hier neu entdeckt wurden und sogar ausschließlich in dieser Höhle zu finden sind.
  • der ungewöhnliche Entstehungsort:  für gewöhnlich entstehen Lavaröhren an Schildvulkanen, deren Hänge nicht mehr als 5° Neigung haben. Der 3135 m hohe Pico Viejo aber ist ein Schichtvulkan, dessen Hänge eine Neigung von 12° (unten) und bis 33° (in Gipfelnähe) haben.
  • die lange Bekanntheit: bereits die Ureinwohner, die Guanchen, kannten die Höhlen und nutzten sie als Grabstätte für ihre Verstorbenen. Schriftlich wurde die Höhle erstmals im Jahr 1776 erwähnt.

Wie ist die Cueva del Viento entstanden?

Die Cueva del Viento ist eine vulkanische Lavaröhre im Icod-Tal. Sie entstand infolge der ersten Ausbrüche des Vulkans Pico Viejo vor rund 27.000 Jahren, bei dem riesige Mengen sehr flüssiger, glühend heißer Basaltlava vom Pahoehoe-Typ freigesetzt wurden.

Die Lava floss an den steilen Hängen der Nordflanke des Pico Viejo abwärts bis ins Meer und bedeckte auf ihrem Weg den größten Teil des Nordwestens der Insel. Frei von diesen Lavaströmen blieben nur das Teno-Massiv und an einige Gebiete, die wie Inseln in dem Meer aus Lava des Pico Viejo liegen.

In den neuen Lavafeldern bildeten sich zahlreiche Lavaröhren – nirgendwo auf den kanarischen Insel gibt es mehr. Darunter, die Cueva del Viento.

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Auf ihrem Weg zum Meer flossen die Lavaströme der Pico Viejo Ausbrüche teilweise übereinander. Die dabei entstandenen Lavaröhren blieben meist voneinander abgeschottet.  Aber an einigen wenigen Stellen waren die Lavaröhren miteinander verbunden, so dass die untere Röhre die Lava auffing, die durch die obere Röhre floss. Auf diese Weise sind in der Cueva del Viento bis zu drei verschiedene Ebenen miteinander verbunden.

Forschende vermuten, dass die Cueva del Viento und die Cueva de San Marcos, eine weitere Höhle, die sich infolge des Pico Viejo Ausbruchs bildete, miteinander in Verbindung stehen. Somit läge das Ende des unterirdischen Lavaröhrennetzes an den Klippen oberhalb des Strand von San Marcos.  Dort sind fünf verschiedene Lavastromebenen zu erkennen, so dass es möglicherweise sogar noch mehr als die bisher drei bekannten Höhlenebenen der Cueva del Viento gibt.

Woher kommt der Name Cueva del Viento?

Der Name Cueva del Viento stammt von dem Wind, der durch die Lavaröhre weht. Aber woher kommt der?

Im Inneren der Höhle liegt die Lufttemperatur das ganze Jahr über mehr oder weniger konstant um die 12 °C. Die Lufttemperatur außerhalb dagegen schwankt, je nach Tages- und Jahreszeit. Daher ist im Sommer die Luft in der Höhle kälter als draußen.

Solche Temperaturunterschiede führen bei Höhlen mit zwei oder mehr Eingängen zu abwärts gerichteten Luftströmungen innerhalb der Höhle (kalte Luft hat eine höhere Dichte und fällt nach unten).  Die Cueva del Viento hat sieben Eingänge auf unterschiedlichen Höhen und einen merklich spürbaren Höhlenwind.

Wie entstehen Lavaröhren?

Grundvoraussetzung für die Entstehung einer Lavaröhre ist dünnflüssige Lava. Abhängig von den Umgebungsbedinungen, verteilt sich dünnflüssige Lava über große Flächen oder bildet sehr schnell strömende Lavaflüsse. Lavaröhren können dann entstehen, wenn sich sehr dünnflüssige Lava in einem Lavafluss über einen bestimmten Zeitraum durch ein geneigtes Gelände bewegt.

Die Entstehung einer Lavaröhre ist komplex und verläuft über mehrere Stufen. Wichtig zu wissen ist, dass Lava zuerst an den Rändern und an der Oberfläche erstarrt, da hier ihre Fließgeschwindigkeit und die Temperatur am geringsten sind.

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  • Bei langandauernden Vulkanausbrüchen neigen die ausgeworfenen Lavaströme dazu, einige wenige Hauptströme auszubilden.
  • Wenn Lava aus einem solchen Lavastrom überschwappt, erkaltet sie sehr schnell, verfestigt sich und bildet eine Art Damm um den Lavastrom.
  • An der Oberfläche des Stroms verfestigt sich die Lava zu einer Kruste, die immer mehr erkaltet und mit den Ränder zu einem Dach zusammenwächst. Gleichzeitig hinterlässt sie einen gasgefüllten Raum darunter.
    In diesem Video aus Island ist die Bildung des Dachs perfekt zu sehen.
  • Unterhalb der Kruste ist die Lava thermisch isoliert, also vor weiterer Abkühlung bewahrt. Dadurch sinkt ihre Temperatur nur etwa ein halbes °C pro Kilometer. Und so fließt die heiße und flüssige Lava im Inneren der Röhre so lange weiter, bis der Vulkanausbruch aufhört und die Röhre aufgrund der Wirkung der Schwerkraft leerläuft.
  • Was dann zurückbleibt ist dann eine hohle Lavaröhre.

Abenteuer Höhlenbesichtigung – alle Infos für die Cueva del Viento

Seit Juni 2008 können fast 200 Meter der Lavahöhle besichtigt werden. Das klingt angesichts des kilometerlangen Höhlensystems vielleicht etwas wenig, ist aber vollkommen ausreichend, um dich als Höhlenforscher zu fühlen und viel Neues über den Vulkanismus auf Teneriffa zu erfahren.

Die Cueva del Viento kann nur im Rahmen einer Führung mit einem professionellen Guide besichtigt werden. Im Unterschied zu manch anderer Höhle gibt es in der Cueva del Viento keine betonierten Wege und effektheischende Inszenierungen, also keine Beleuchtung oder Musikbeschallung. Stattdessen Helm und Stirnlampe für dich und Taschenlampe für den Guide – Forscherfeeling pur und Schutz für das empfindliche Ökosystem im Lavatunnel.

Tickets für die Führung durch die Cueva del Viento

Eintrittskarten kannst du ausschließlich online und mit Kreditkarte kaufen und das maximal zwei Monate im Voraus.

Preise für die Führung durch die Cueva del Viento
Erwachsene: 20 €
Kinder (6–12 Jahre): 8,50 €
Stand: Dezember 2023

Du solltest dir so früh wie möglich deine Tickets sichern, denn bei ein bis zwei deutschsprachigen Führungen täglich mit maximal 15 Personen pro Führung, sind die Tickets schnell ausverkauft. Alternativ, je nach Sprachkenntnissen, kannst du natürlich auch auf eine der Führungen auf Englisch oder Spanisch ausweichen.

  • Start: im Besucherzentrum
  • Ablauf und Erlebnis:
    • zunächst gibt es eine kurzweilige, informative Einführung im Besucherzentrum, bei der du anhand der Erklärungen deines Guides und eines kurzen Films einen ersten Einblick in die Welt der Vulkane bekommst. Fragen und Anmerkungen sind dabei und auch während der restlichen Tour jederzeit möglich.
    • Nach einer kurzen Fahrt mit dem Bulli  führt dich der Guide auf einer kurzen Wanderung durch den Kieferwald, über Lichtungen und einen Camino Real zum Höhleneinstieg.
    • Helme auf und los geht’s zum eigentlichen Höhlenabenteuer. Du tauchst in die Unterwelt ein, erlebst einen Vulkan von innen, erfährst etwas über das Leben in der Dunkelheit und wie sich Dunkelheit und Stille auswirken. Auch auf dich.
    • Wieder an der Oberfläche geht es einen anderen Weg entlang verlassener Felder zurück zu den Bullis und zum Besucherzentrum.

Egal ob über oder unter der Erde, der Guide macht viele Stopps an sehenswerten Stellen und erzählt Anekdoten zur (Wieder)Entdeckung der Höhle, erklärt die Entstehungsgeschichte und zeigt dir die außergewöhnlichen Lavastrukturen. Mehr verraten wir hier nicht, du sollst ja selbst die Höhle „erkunden“.

  • Dauer: 2-3 Stunden, davon ca. 1 Stunde in der Höhle
  • Schwierigkeitsgrad: gering – mittel
    • ca. 200 m ↑↓ beim Hin- und Rückweg zu Fuß
    • in der Höhle ist der Untergrund teilweise uneben
  • Nicht geeignet für: Kinder unter 5 Jahren, Personen mit Platzangst und/oder eingeschränkter Mobilität
  • Empfohlene Kleidung:
    • lange Hose und einen Pullover oder Jacke für die Führung in der Höhle
      • die Innentemperatur der Höhle liegt bei 10-14 Grad , die Luftfeuchtigkeit bei 80 %
    • feste, geschlossene Schuhe mit dicker Sohle, möglichst Wanderschuhe wegen des unebenen Bodens in der Höhle
  • Nicht erlaubt: Mitführen von Taschen oder Rucksäcken während der Führung. Diese kannst du in den Schließfächern im Besucherzentrum sicher deponieren.

Anfahrt zur Cueva del Viento

Das Besucherzentrum Cueva del Viento befindet sich im gleichnamigen Dorf, das im Norden von Icod de Los Vinos liegt.

mit dem Bus
360 Icod de los Vinos – Puerto de Erjos
Haltestelle El Refugio, dann ca. 20 min Fußweg

mit dem Auto
Am besten erreichst du das Besucherzentrum mit dem Auto, es gibt einen kostenlosen Parkplatz.

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