Masca – das schönste Bergdorf auf Teneriffa

von Jutta
Update:

Masca, das liebliche Dorf im schroffen, zerklüfteten Teno-Gebirge

Das kleine Bergdorf Masca im einsamen Nordwesten von Teneriffa ist von jedem Blickwinkel aus großartig. Weiße Häuser,  im traditionell kanarischen Stil erbaut, verteilen sich auf mehrere grüne Berghänge und stehen teilweise auf schmalen Bergrücken – immer perfekt an das schwierige Gelände angepasst. Terrassenfelder, palmenbewachsene Hänge und die steil aufsteigenden Vulkanfelsen des üppig grünen Teno-Gebirges rahmen die insgesamt fünf verstreut liegenden Ortsteile idyllisch ein. Grandiose Berg-, Tal- und Meerblick gibt es hier in Hülle und Fülle.

Lange Zeit war das Dorf aufgrund seiner Lage in den Bergen von der Außenwelt abgeschieden und die Bewohner lebten von der Landwirtschaft und ein bisschen Viehzucht. Noch bis in die 1970er Jahre waren unasphaltierte Wege die einzige Verbindung zu den umliegenden kleinen Siedlungen und dem Strand von Masca, wo die Einwohner mit Fischern Handel betrieben. Zwar waren und sind die Entfernungen nicht groß, aber aufgrund des Geländes schwierig zu bewältigen. So dauerte es fast einen ganzen Tag, um mit Gemüse beladen die Mascaschlucht hinab und mit Fisch wieder hinaufzusteigen.

Den besten Eindruck von der spektakulären Landschaft und dem mühevollen Leben der früheren Bewohner von Masca gewinnst du wohl bei einer Wanderung durch die berühmte Schlucht von Masca. Der wohl bekannteste Wanderweg Teneriffas beginnt unterhalb des denkmalgeschützten Dorfes und führt dich durch das ausgewaschene Flussbett eines Barranco mit steil aufragenden Felswänden an den Strand von Masca. Bei der etwa 3-4 stündigen Wanderung überwindest du auf ungefähr 4,5  km Wegstrecke einen Höhenunterschied von rund 650 Metern, pro Strecke.  Und jetzt stell dir mal vor, du würdest mehr als nur deinen Wanderrucksack tragen.

Die 5 Ortsteile des idyllischen Bergdorfs Masca

Der Weiler Masca besteht aus insgesamt fünf Streusiedlungen, die in einer Höhe von rund 560 bis 730 Metern über dem Meer liegen. Die einzelnen Ortsteile befinden sich auf den felsigen Ausläufern der Berge, die für die landwirtschaftliche Nutzung ungeeignet sind.

Von Santiago del Teide aus kommend liegen die Ortsteile Lomo de Masca, Lomo del Medio und La Piedra links der Straße. Da Lomo del Medio und La Piedra quasi ineinander übergehen, werden sie manchmal auch als ein Ortsteil angesehen. Ein Stück weiter die Straße runter Richtung El Palmar liegt links El Turrón und rechts, etwas höher am Hang, la Vica. In der Umgebung der Häuser gibt es zahlreiche, ausgedehnte Terrassenfelder. Diese wurden in mühevoller Arbeit den steilen Berghängen abgerungen, da es in diesem Landstrich zwar Wasser, aber kein ebenes Ackerland  gab.

Am bekanntesten und meistfotografiert sind ganz sicherlich die Häuser von La Piedra und des Lomo del Medio am Fuße des Roque Catana, dessen Form gerne mit dem Macchu Picchu verglichen wird. Der Blick über Kanarische Palmen hinweg auf die traditionellen Häuser und im Hintergrund der Basaltmonolith ist aber auch wirklich pittoresk.

Die Häuser von Masca: Eindrucksvolle traditionelle Architektur und Bauweise

Der Weiler Masca ist ein schönes und durch die lange Zeit der Isolation noch relativ gut erhaltenes Beispiel für die traditionelle Architektur und den Baustil der Kanaren. Deshalb wurde Masca zum geschützten Kulturgut in der Kategorie „Historisches Ensemble“ erklärt.

Die traditionellen Bauernhäuser des Bergdorfs Masca sind mit einer sehr alten Bautechnik hergestellt worden. Diese wurde im Laufe der Zeit kaum verändert, da sie stark von den verfügbaren Rohstoffen Vulkangestein, Holz kanarischer Baumarten, Schilf und Schlamm abhing.

Die Häuser basieren auf zwei verschiedenen Grundmodellen. Das erste ist eingeschossig und hat einen L-förmigen Grundriss.. Das zweite hat zwei Ebenen und einen quadratischen Grundriss. Bauelemente und Konstruktionstechniken sind bei beiden Modellen gleich: Die Mauern sind dick und bestehen aus kaum bearbeiteten Basaltblöcken. Nur wenn diese als als Ecksteine oder als große Steine im unregelmäßiges Mauerwerk zu sehen sind, wurden sie behauen. Es gibt nur wenige Fenster und für die Fassaden wurden nur die Fugen zwischen den schwarzen Blöcken weiß getüncht. Die Giebel- und Walmdächer der alten Häuser bestehen aus gebogenen oder arabischen Ziegeln. Als Dachfette, den waagerechten Träger der Dachkonstruktion, wurde Baumstämme verwendet. Diese und die ebenfalls aus Holz bestehenden Balken wurden im Haus von Schilfrohr verkleidet.

Häuser, die so gebaut wurden und die diese architektonischen Elemente haben, kannst du im gesamten Teno-Massiv finden – allerdings nicht so zahlreich und gut erhalten wie in Masca. Hier mal ein halb verfallenes Haus aus dem benachbarten Los Carrizales, das die traditionelle Bauweise sehr schön zeigt.

Die Bewohner von Masca und ihr Dorfzentrum

Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte Masca noch über 300 Bewohner, die in etwa 90 kleinen Häusern lebten. Ihr Leben war von der Landwirtschaft und der Isolation bestimmt. Heute umfasst Masca rund 80 Häuser mit knapp hundert Einwohnern und gehört zum Gemeindegebiet von Buenavista del Norte. Haupteinnahmequelle ist jetzt der Tourismus, aber einige Bewohner führen die traditionelle, landwirtschaftliche Lebensweise fort und sind zurecht stolz auf ihr schönes Dorf, ihre Traditionen und traditionellen Produkte.

Damals wie heute ist der Mittelpunkt des Ortes die Plaza de Masca, auf der ein riesiger, alter indischer Lorbeerbaum steht und die sich direkt an der Kirche zu Ehren der „Jungfrau der unbefleckten Empfängnis“ befindet. Die Ermita de la Inmaculada Concepción stammt aus dem 18. Jahrhundert und besteht aus einem Kirchenschiff mit Ziegelsatteldach und gemauerten Wänden. Die Hauptfassade hat einen Steinbogen und einen kleinen Glockenturm.

Die ersten Bewohner von Masca: Schon die Guanchen siedelten hier

Die Guanchen gelten als die ersten Masqueros, also die ersten Bewohner im Gebiet von Masca. Dass sie sich genau hier ansiedelten ist kein Zufall, sondern auf die Barrancos im Gebiet zurückzuführen. Teilweise führten diese früher das ganze Jahr über Wasser, gespeist von Quellen, die auf Teneriffa nur selten vorkommen. Auch wenn die Wassermengen im Jahresverlauf schwankten, erlaubten sie doch die Versorgung mit Trinkwasser für Mensch und Tier sowie die Bewässerung der Pflanzen auf den Terrassenfeldern.

Belegt ist die Ansiedlung der Guanchen in Gebiet von Masca durch archäologische Funde, unter anderem Grabreste und Felszeichnungen bei Roque Tarucho und La Fortaleza sowie eine Speichenrad ähnliche Gravur auf am Pico de Yeje.

 Eine Legende über die Guanchen aus Masca

Legenden gibt es auch. Unter anderem , dass die Ureinwohnern den oberhalb von Masca gelegenen Roque Tarucho verehrt, aber auch gefürchtet haben. Weil die Gefahr seines Einsturzes immer präsent war, wurde er den Erzählungen nach mit einem Seil aus Schilf umwickelt, das jedes Jahr gewechselt werden musste.

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Die Schlucht von Masca

Über Jahrmillionen floss Wasser der Schwerkraft folgend, von Mascas Berghängen in Richtung Meer und schliff dabei eine tiefe Schlucht in das harte Vulkangestein.Heute ist die Schlucht von Masca eine der Top-Attraktionen von Teneriffa.

Wenn du dem Handelsweg der Bewohner von Masca folgst, kannst du jede Menge wilder Natur mit reicher, teils endemischer Pflanzen- und Tierwelt, außergewöhnlich gestalteten Felsformationen und Relikten der früheren Nutzung  entdecken. Die Wanderung vom Dorf ans Meer ist eine auch Reise durch die geologische Geschichte der Insel. Die steil aufragenden Wänden zeigen eindrucksvoll die verschiedenen horizontalen und vertikalen Gesteinsschichten, die das Teno-Gebirge gebildet haben. Je tiefer der Barranco wird, desto älter werden die Schichten und du kommst den ältesten Gesteinen Teneriffas, zu denen das Grundgebirge von Masca gehört, immer näher.

Der beste Blick auf die Schlucht von Masca

Den Anfang der Mascaschlucht kannst du besonders gut vom gepflasterten Verbindungsweg zwischen den Ortsteilen Lomo de Masca und Lomo de Piedra aus sehen – ungefähr an der Nähe der Stelle, wo drei kleine Sträßchen aufeinandertreffen.

Von hier aus blickst du auf die direkt unter dir liegen Terrassenfelder im hier noch breiten Schluchtbereich. Weiter Richtung Meer, zwischen den Felswänden auf der linken Seite und dem Roque Catana, auf der rechten Seite wird das Terrain immer felsiger und die Schlucht beginnt sich zu verengen. Um noch mehr von der Schlucht zu sehen, musst du sie durchwandern.

Die Palmen von Masca

Eine bemerkenswerte Besonderheit ist, dass in der direkten Umgebung und zwischen den Häusern von Masca zahlreiche Kanarische Dattelpalmen (Phoenix canariensis) wachsen. In diesem Gebiet kommen die Palmen an den grundfeuchten Stellen der Barrancos ganz natürlich vor (auf der Karte mit einem grünen Stern markiert). Besonders zahlreich sind sie im breiten Bereich der Mascaschlucht zwischen den Ortsteilen Lomo de Masca und Lomo del Medio.

Abbildung gespeichert von Cartográfica de Canarias S.A. (GRAFCAN).

Viele der Palmen sind aber angepflanzt – und das nicht, weil sie so schön aussehen. Die gesamte Palme wurde vielfältig genutzt: Die Früchte sind theoretisch essbar, sollen aber nicht allzu gut schmecken. Deshalb wurden an das Vieh verfüttert. Aus den Palmwedel wurden Besen und Hüte gefertigt und die Stämme als Bienenstöcke verwendet.

Die abenteuerliche Anfahrt nach Masca

Die Wanderung durch die Schlucht von Masca gilt als Abenteuer. Dabei beginnt das eigentliche Abenteuer viel früher – sofern du mit dem Mietwagen hinfährst. Die engen Spitzkehren der spektakulären Serpentinenstraße kann theoretisch jeder durchschnittlich begabte Autofahrer bewerkstelligen. Wären da nicht die großen Reisebusse, die zur Hochsaison ganze Heerscharen an Touristen aus dem Süden im Dorf abladen, meist am am späten Vormittag. Kommt dir so ein Reisebus in einer Kurve entgegen, wird es eng. Sehr eng. So eng, dass teilweise einer der beiden Verkehrsteilnehmer zurücksetzen muss. Blöd nur, dass nicht jeder geübt ist, am steilen Berg zu rangieren, rückwärts-zu setzen und wieder anzufahren. Für alle, die nicht bergerprobt sind, ist der Stress ist also vorprogrammiert.

Wir waren das erste Mal 2006 auf Teneriffa und natürlich haben wir uns damals Masca angeschaut. Nachdem wir mit unserem leicht schrottigen Mietwagen das Dorf endlich erreicht hatten, haben wir uns geschworen: Das machen wir nicht nochmal.  Blöd nur, wenn man sich nicht daran erinnert und 2019 dem von Google vorgeschlagenen, kürzesten Weg von Buenavista del Norte nach Santiago del Teide folgt. Der führt, genau, über die serpentinenreiche Straße nach Masca.

Parkplätze in Masca

Der Stress geht übrigens bei der Parkplatzsuche weiter. Es ist wie bei uns zu Hause in Hamburg-Ottensen: Die Parkplätze sind rar und wenn mal einer frei wird, ist er sofort wieder besetzt. Dazu kommt noch, dass du seit 2021 in Masca am Wochenende und an Feiertagen zwischen 8:00 und 14:00 Uhr nur noch maximal 2 Stunden parken darfst.

Entspannt mit dem Bus nach Masca

Jetzt sind wir schlauer und nutzen die Alternative zum Mietwagen: Die TITSA-Bus Linie 355. Die bringt jeden ganz entspannt von Buenavista oder Santiago aus ans Ziel nach Masca. Imposante Panoramablicke auf das umliegende Gebirge gibt es bei der ungefähr 30- bzw. 15-minütige Anfahrt gratis dazu. Und schneller wärst du mit dem Auto eh nicht.

Literatur:

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