Street Art in Puerto de la Cruz: moderne Kunst im alten Fischerviertel

von Jutta
Update:

Große Wandbilder internationaler Street Art Künstler

La Ranilla gilt als eines der ältesten Viertel von Puerto de la Cruz und ist bis heute geprägt von einstöckigen Häusern entlang kleiner Straßen mit engen Seitengassen. Und doch ist in La Ranilla die Zeit nicht stehengeblieben – einige der alten Fischerhäuser auch nicht. Stattdessen wurden große, mehrstöckige Häuser gebaut. Und an deren Außenwänden, die die kleinen, alten Häuschen überragen, gibt es große Wandmalereien zu sehen.

Seit 2014 haben verschiedene internationale Künstler im Rahmen des Projekts „Puerto Street Art“ Kunstwerke an den Häuserfassaden erschaffen. Rund um die Calle Mequinez gibt immer was neues zu entdecken, denn beim alljährlichen Mueca-Festivals kommen immer weitere Kunstwerke hinzu. Dabei sind die Murals in La Ranilla nicht nur hübsch anzusehen: Viele von ihnen nehmen greifen aktuelle und historische Probleme des Umfelds auf und illustrieren sie.

Weil selber entdecken immer noch am meisten Spaß macht, gibt es hier einige wenige Bilder. Den Rest musst in den Gassen zwischen El Peñon del Fraile und der Plaza Charco selbst entdecken 😉

Kleine Bilder ehren die Spitznamen und Bewohner von La Ranilla

Auch an den traditionellen Häuser in La Ranilla kannst du Street Art entdecken. Zahlreiche Häuser haben rund um ihre Türen und Fenster eine Umrahmung mit graphischen Mustern und vor allem: je ein Bild, das meist neben der Haustür zu finden ist.  Diese Bilder, zum Beispiel die kleine Ratte, ein kleiner Kuchen oder fünf laufende Personen sind nicht zufällig gewählt, sondern haben eine tiefe Bedeutung. Sie stehen stehen für die Spitznamen der Bewohner.

Die Idee zu diesem wundervollen Projekt stammt von der lokalen Künstlerin Juliana Serrano, deren Familie ein Haus im Viertel besitzt und als „Los Ratones“, die Ratten bekannt ist. Als Hommage an ihre Familie malte sie eine kleine Ratte an die Fassade, was so gut ankam, dass sie mehr und mehr Häuser der Nachbarschaft mit Bildern der Spitznamen verzierte.

Aus einem Interview mit Juliana Serrano: 
„Ich tue dies aus Respekt vor den Menschen in meiner Straße. Früher war es etwas Abfälliges, einen Spitznamen zu haben, etwas für die Armen, denn die Reichen, die Leute mit Geld, hatten keinen. Jetzt ist es eine Quelle des Stolzes, einen Spitznamen zu haben. Das ist eine Hommage an mein Volk und an dieses Gebiet; es ist eine Erinnerung an die Arbeit und das Leid, die es früher in diesem Viertel gab“.

Während wir Spitznamen vor allem für einzelne Personen kennen, haben im Viertel La Ranilla auch viele Familien einen Spitznamen. Diese (Familien-)Spitznamen reichen oft mehrere Generationen zurück und beziehen sich meist auf den Beruf, auf die Herkunft oder das Aussehen, eine Anekdote oder Kuriosität.

Historisch gesehen entstanden Spitznamen aus der Notwendigkeit heraus, Personen zu identifizieren, als einfache Vornamen noch nicht eindeutig genug und Familiennamen noch nicht weit verbreitet waren. Die individuellen Spitznamen einzelner Personen wurden im Lauf der Zeit häufig zu Familienspitznamen. Sie wurden von Generation zu Generationen weitergegeben und sind bis heute ein wichtiger Bestandteil der lokalen Kultur und Identität. Sie sind so tief verwurzelt und im Alltag gebräuchlich, dass sie sogar in Todesanzeigen auftauchen.

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Street Art Map und Infos zu den Murals

Du magst deinen Spaziergang durch die Street Art von Puerto de la Cruz lieber planen? Dabei kann dir der offizielle Flyer und website mit Hintergrundinfos zu den älteren Murals weiterhelfen.

La Ranilla – das Fröschlein. Woher kommt der Name des Fischerviertel?

Der Ort Puerto de la Cruz hieß früher Puerto de La Orotava – und viel mehr war es zunächst auch nicht: der Hafen von La Orotava. Die ersten Häuser in La Ranilla entstanden im 18. Jahrhundert  und die Bewohner verdienten ihren Lebensunterhalt als Seeleute. Sie transportierten Waren von der Küste zu den nahegelegenen Schiffen und halfen der Schiffsbesatzung dabei sie an Bord der Schiffe zu hieven bzw. zu löschen und an Land zu bringen.

Die Stadt entwickelte sich rund um den Hafen und während die wohlhabenden Kaufleute in großen Häusern rund um die Plaza del Charco wohnten, lebten die ärmeren Familien, Fischer und Seeleute in bescheidenen, einstöckigen Häusern in den engen Straßen westlich der Plaza.

Der Ursprung des Viertelnames La Ranilla  – das Fröschlein ist unbekannt, aber es gibt zwei Theorien:

  • In einem seiner Werke erwähnt der Chronist Viera y Clavijo zwei Soldaten mit dem Nachnamen Ranilla. Es gibt aber keine genaue Verbindung, so dass der Ursprung ungewiss ist.
  • Im Viertel La Ranilla gab es eine Schule. In alten Dokumenten wird erwähnt, dass sich die Farbe der Uniformen der Schüler der Matrosenschule geändert hatte und nun schwarz-grün war, so dass die Schüler wie „ranillas“ (kleine Frösche) aussahen.

Noch mehr Urban Art

… in Puerto de la Cruz

Murals und Spitznamen-Visualisierungen sind aber noch nicht alles. Wer aufmerksam durch Puerto de la Cruz läuft, wird auch an Straßenschilder, Zebrastreifen, Mülltonnen usw. ganz viel Urban Art entdecken. Darunter: Urban Knitting und Skulpturen. Viel Spaß dabei.

… auf Teneriffa

Ob Graffitis in der Geisterstad Abades oder Skulpturen in Los Silos, Teneriffa hat noch einiges mehr an Urban Art zu bieten. Aber schau selbst herum. Oder lass dich von dieser diese Karte inspirieren.

Literatur

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