Die Vegetationszonen unter den Wolken

von Jutta
Update:
wilder Drachenbaum auf Teneriffa

Auf Teneriffa gibt es eine unfassbar vielfältige Pflanzenwelt, die in Höhenstufen gegliedert ist. Gut merken lässt sich die grobe Unterteilung  in die Zonen „unter den Wolken“, „in den Wolken“, und „über den Wolken“.

Die Zone unter den Passatwolken reicht vom Meeresspiegel bis in ca. 600 Meter Höhe. Das Klima ist gleichmäßig trockenwarm mit wenig Niederschlag und milden Temperaturen.  Diese drei Vegetationszonen kannst du hier finden: die Küsten- und Felsvegetation, gefolgt vom Sukkulentenbusch und weiter oben, dem thermophilen Buschwald.

1. Küsten-, Fels- und Dünenvegetation

Im direkten Küstenbereich, also an den schroffe Felsen, Steilküsten, steinigen oder sandigen Flachküsten sowie Dünen, ist die Luft und auch der Boden durch die Meeresbrise salzhaltig. Pflanzen, die hier wachsen, haben sich an die erhöhte Salzkonzentration und die schlechte Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen angepasst. Häufig wachsen sie kompakt mit nur einer geringen geringe Wuchshöhe und bieten so dem stetigem Wind wenig Angriffsfläche.

Zu den typischen Vertreter dieser Zone gehören die verschiedene Strandfliederarten (Limonium
sp.), die Erikablättrige Frankenie (Frankenia ericifolia), die Glatte Seeheide (Frankenia laevis), das Kanaren Jochblatt (Zygophyllum fontanesii) und der Strauch-Dornlattich (Launaea spinosa). Der einzige heimische Baum der Küstenvegetation ist die Kanarische Tamariske (Tamarix canariensis), der Salz über Salzdrüsen ausscheiden kann.

Häufig im Küstenbereich zu finden sind auch verschiedene Mesembryanthemum Arten. Diese Pflanzen können auf einen speziellen Stoffwechsel umschalten, bei dem der Wasserverbrauch sehr gering ist und können außerdem aufgenommenes Salz in speziellen Drüsen speichern bzw. aktiv ausscheiden.

2. Sukkulentenbusch (Tabaibal & Cardonal)

Sukkulentenbusch (Tabaibal-Cardonal)

Der Sukkulentenbusch schließt sich inseleinwärts an die Küstenvegetation an. Auch hier herrschen extreme Bedingungen: Es gibt meist wenig Niederschlag, aber hohe Temperaturen, eine starke Sonneneinstrahlung und viel Wind. An dieses arid-semiaride Klima haben sich die hier vorherrschenden Pflanzen vor allem mit Sukkulenz angepasst, also der Ausbildung von fleischig-saftigem Wasserspeichergewebe in ihren Blättern und Stämmen. So können sie auch die langen Trockenperioden in jedem Sommer unbeschadet überstehen.

Der Sukkulentenbusch ist eine der auffälligsten Vegetationsformen von Teneriffa.  Auf der Nordostseite reicht er die Hänge  bis 200-400 m hinauf und durch den nur im Norden vorkommenden Monteverde abgelöst. Auf der Südseite reicht der Sukkulentenbusch bis über 700 -800 m ü. NN hinauf und wird gefolgt vom thermophilen Buschwald bzw. wo dieser nicht vorhanden ist, vom Kiefernwald.

Zwei charakteristische Pflanzenformationen gibt es im Sukkulentenbusch, die auch der Zone ihren Namen gegeben haben: Der Schopfblatt-Sukkulentenbusch (span. Tabaibal) und der  Kandelaber-Sukkulentenbusch (span. Cardonal).

Als Tabaibal werden Gesellschaften der verzweigten, bäumchenartigen-strauchförmigen Tabaibas bezeichnet. Dazu gehören unter anderem die ungiftige „süße“ Balsam-Wolfsmilch (Euphorbia balsamifera, spanischer Name: Tabaiba dulce) und die Tabaibal amargo“ (E. obtusifolia). Diese Pflanzen sind einfach an ihrer Schopfblättigkeit zu erkennen: Sie haben nur am Ende der Zweige Blätter, die in Form einer dichtgedrängten Rosette stehen.

Der Cardonal ist eine strukturelle Einheit. Gebildet wird er von der säulenförmigen blattlosen Kanarischen-Wolfsmilch (Euphorbia canariensis, spanischer Name: Cardón) und weiteren Sträuchern, die in oder in  unmittelbaren Nachbarschaft der bis zu 3-4 Meter hohen Pflanzen wachsen.  Der Cardonal stellt bereits größere Ansprüche an Boden und Feuchte und kommt daher meist in dem etwas kühleren oberen Bereich der Sukkulentenstufe vor. Die größten Bestände des Cardonal sind vor allem im Umfeld der Barrancos des Teno-und Anaga-Gebirges zu finden. Der nahezu kreisrund wachsende Cardón ist nicht nur ein charakteristisches Element der Sukkulentenbuschzone der Kanaren, er kommt auch nur hier vor, ist also endemisch.

Noch gibt es großflächige und naturnahe Areale in denen der Sukkulentenbuschs vorkommt. Aber an vielen Stellen wurde diese Vegetationszone durch den Bau von Wohngebieten und Golfplätzen oder die Anlage von Bananen- oder Tomatenplantagen zerstört. Ein weiteres Problem ist der Dillenius-Feigenkaktus (Opuntia dillenii). Ursprünglich wurde der Neophyt zur Züchtung der Cochenille-Schildlaus eingeführt. Diese wird getrocknet und zur Herstellung des Farbpigments Karmin verwendet, mit dem früher Stoffe und Campari rot gefärbt wurden. Heute verbreitet sich die Pflanze aggressiv, ist kaum mehr einzudämmen und durchzieht zunehmend den ursprünglichen Sukkulentenbusch.

3. Wärmeliebender Buschwald und Wacholderhaine (Bosque termófilo & Sabinar)

Thermophiler Buschwald

Der thermophile, das heißt wärmeliebende Buschwald „bosque termófilo“ ist eine der am wenigsten bekannten Vegetationszonen. Und eine der spannendsten. Er bildet die Übergangszone zwischen dem heiß-trockenen Sukkulentenbusch und der eigentlichen, feuchteren Waldzone.

Das Klima in der Region ab 200 Metern auf der Nordseite und 700-900 Metern auf der Südseite ist semiarid. Hier ist es schon kühler und feuchter als im unteren Sukkulentenbusch, aber die Temperaturen und Niederschlagsmengen bleiben in einem gemäßigten Bereich. Deshalb können hier auch Hartlaubgewächse wachsen. Das sind immergrüne Bäume und Sträucher, die wärmeliebend (thermophil) und an periodische Trockenzeiten angepasst sind.

Ursprünglich waren die thermophilen Buschwälder auf Teneriffa weit verbreitet, zogen sich gürtelförmig um die Insel und umfassten um die 15 % der Inselfläche. Aber wegen des angenehmen Klimas und der fruchtbaren Böden befinden sich genau in diesem Bereich zwischen 300-500 Meter über dem Meer die Mehrzahl der Siedlungen, und das bereits seit der Zeit der Guanchen. Als Folge der spanischen Eroberung wurde ab dem 16ten und 17ten Jahrhundert fast der gesamte thermophile Wald gefällt und in Siedlungsgebiete sowie fruchtbare Acker- und Weideflächen umgewandelt. Außerdem wurde der Wald gefällt, um das Holz für die Herstellung von Kohle und als Baumaterial für Boote und Häuser zu nutzen.

Heute ist der thermophile Wald  nur noch in geringen Resten vorhanden. Diese sind stark fragmentiert und oft stark vom Menschen verändert, so dass die Vegetation nicht mehr die ursprüngliche Artenvielfalt hat. Forscher nehmen an, dass der ursprüngliche thermophile Buschwald einen sehr viel stärkeren Waldcharakter hatte.

Die einst großflächigen Wälder finden sich heute nur noch an schwer zugänglichen Berghängen und Felsstandorten. Bedeutend ist vor allem das Vorkommen an den Berghängen in der Nähe von Los Silos, Buenavista del Norte und Garachico, wo sie in einer Höhe zwischen 250 und 550 m die Vegetation prägen. Viele dieser Standorte sind Teil von Naturschutzgebieten und streng geschützt, wie z.B. der Palmenhain von Las Carvas in Los Silos.

Zu den charakteristischen Bäumen des thermophilen Buschwalds gehören die Kanarischen Dattelpalme (Phoenix canariensis hort. ex C) und der Drachenbaumes (Dracaena draco L.). Beide gelten als charakteristische Relikte der potentiellen natürlichen Vegetation an grundfeuchten Stellen, zu denen die Rinnen und Einschnitte der Barrancos gehören. Weitere charakteristische Bäume des thermophilen Buschwalds sind die Atlantische Pistazie (Pistacia atlantica, “almácigo”) und der Kanaren-Ölbaum (Olea europaea L. ssp. cerasiformis). An der Grenze zum Monteverde gibt es noch Barbuzano (Apollonias barbujana), Mocan (Visnea mocanera) und Erdbeerbäume (Arbrutus canariensis).

Der thermophile Buschwald hat auch eine Strauch- und Krautschicht. In der Strauchschicht finden sich zum Beispiel Kanaren-Johanniskraut (Hypericum canariense) und Kanarischer Jasmin (Jasminum odoratissimum). Typische Vertreter der Krautschicht sind Adiantum capillus-veneris, Asplenium hemionitis, Woodwardia radicans, Wicken (Vicia cirrhosa), Tamus edulis und auch die Kanaren-Glockenblume (Canarina canariensis).

Die Wacholderhaine sind benannt nach dem bis zu bis 8 Meter hohe endemische Kanaren-Wacholder (Juniperus turbinata subsp. canariensis). Diese Zone liegt an der oberen Grenze des thermophilen Buschwalds im Übergang zur Waldzone: im Nordosten mit dem Monteverde und im Süden mit dem Kanaren-Kiefernwald.

Literatur

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