Eine kurze Geschichte von Los Silos

von Jens
Update:

Was wir heute als Los Silos kennen, war ursprünglich eine kleine Siedlung auf dem weitläufigen Landbesitz eines portugiesischen Großgrundbesitzers.

Der Ursprung von Los Silos

Der Ursprung von Los Silos geht auf das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts zurück. Die Eroberung Teneriffas war gerade beendet und der Eroberer Alonso Fernández de Lugo hatte sich eines der begehrtesten Landstücke der gesamten Insel gesichert. Dort, im flachen und besonders fruchtbaren Teil des ehemaligen Guanchen-Königreichs Daute begann de Lugo eine Zuckerfabrik und Zuckerrohrplantage zu errichten: Die Hacienda de Daute. Das war im Jahr 1499,  also nur drei Jahre nachdem Teneriffa Teil der Krone Kastiliens wurde.

ueberreste hacienda los silos teneriffa
Die letzten verfallenen Überreste eines Gebäudes auf der Hacienda de Daute.

Der Siedlungskern von Los Silos

De Lugo konnte die Ländereien nicht alleine bewirtschaften, daher schloss er einen Vertrag mit Gonzalo Yanes Oliva. Zusammen mit seiner Frau und Kindern übernahm der Portugiese im Jahr 1502 die Hacienda inklusive der Ländereien und Zuckerfabrik. Die zahlreichen Arbeiter der Hacienda stammten von kastilischen Siedlerfamilien, Guanchen oder Sklaven ab.

Früh schon siedelten sich auch Arbeiter abseits der Hacienda an. An den Hängen des Vulkan Aregume entstand daraus der Siedlungskern, der sich im Laufe der Zeit zur heutigen Gemeinde Los Silos entwickelte.

Los Silos – Die Speicher

Der Name Los Silos taucht zum ersten Mal am 15. März 1509 in einer Urkunde von Alonso Fernández de Lugo auf. Häufig liest man, dass der Name auf die die drei unterirdischen Getreidespeicher (spanisch: Silos) zurückgehen soll, die Gonzalo Yanes Oliva auf dem Gelände der Hacienda bauen ließ.

Drei weitere Silos gab es aber auch schon vor der Ankunft und Ansiedlung der Eroberer, sie liegen noch heute am Vulkanberg Aregume. Die Ureinwohner Teneriffas nutzten natürliche und in Tuffstein geschlagene Höhlen, die sie „aregüemes“  nannten, als Lager für Getreide, aber auch für getrockneten Früchte sowie getrocknete Napfschnecken, Kraken und Papageienfische.

Unter Forschern gibt es daher die Vermutung, dass der heutige Namen der Stadt Los Silos die direkte und genaue Übersetzung des Guanchen-Wortes „aregüemes“ ist und sich damit auf die Höhlen im gleichnamigen Berg beziehen.

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Übrigens:

  • Los Silos und seine Umgebung sind ein uraltes Siedlungsgebiet der Guanchen, wie Höhlenfunde z.B. am Aregume oder bei Las Moradas belegen.
  • Zum Guanchen-Königreich Daute gehörte ungefähr das heutige Gebiet der Gemeinden Garachico, Los Silos und Buenavista del Norte.
  • Die letzten Überreste der Hacienda kannst du vom Camino de la Ladera aus sehen.
  • Die drei Speicher von Gonzalo Yanes Olivas wurden auf der heute verfallenen Hacienda gefunden.
  • Die drei Höhlen im Vulkanberg Aregume sind Teil des Gemeindewappens von Los Silos.
  • Es bekannt, wo die drei Höhlen im Vulkanberg Aregume liegen. Sie sind aber nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, überbaut oder eingefallen.
  • Es ist kein Zufall, dass mit Gonzalo Yanes Oliva ein Portugiese den Zuckeranbau auf der Hacienda de Daute übernahm. Portugiesen waren Spezialisten für Zuckerrohr, da dies bereits seit dem frühen 15. Jahrhundert auf Madeira angebaut wurde, und etablierten den Anbau und die notwendigen Verarbeitungstechniken auf Teneriffa.

Entwicklung zur Stadt Los Silos

Im Schutz des Monte Aregume siedelten sich schon im 16. Jahrhundert immer mehr Menschen an, die neben Zuckerrohr auch Getreide, Wein und Mais anpflanzten. Schon 1568 – knappe 60 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt 1509 – haben die Einwohner den Grundstein für die Kirche „Nuestra Senora de la Luz“ gelegt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Los Silos etwa 100 Einwohner.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts kannte der wirtschaftliche Aufschwung durch die Produktion von Zucker, Getreide und Wein kaum Grenzen, auch die Gründung des Klosters von San San Sebastian 1649 (das heutige Gemeindezentrum inkl. Touristeninformation) zeugt vom wirtschaftlichen Wachstum.

Im 18. Jahrhundert zählte der Ort schon um die 1.000 Einwohner. Zu dieser Zeit nahm Los Silos auch im Großen und Ganzen die Form an, die wir heute kennen: Mit Hauptplatz, der Kirche und dem alten Kloster, die zusammen mit dem Pfarrhaus, dem Vikarhaus, dem Rathaus und dem ehemaligen Kornspeicher den Historischen Stadtkern von Los Silos bilden.

Der Zuckerrohranbau verlor angesichts der deutlich günstigeren Konkurrenz der amerikanischen Kolonien langsam aber sicher an Bedeutung. Auch auch ein kurzes Intermezzo mit der Zucht von Cochinilla-Läusen auf Opuntien zur Produktion des natürlichen Farbstoffs Karmin hatte keinen bleibenden Erfolg. So beherrscht seit Ende des 18. Jahrhunderts der Bananenanbau das Wirtschaftsleben und auch das Bild der Stadt.

Der Bananenboom führte zu einem massiven Bevölkerungswachstum, Anfang des 20. Jahrhunderts lebten schon etwa 2.000 Menschen in Los Silos. 1921 wurde Los Silos dann offiziell „villa“, also eine Kleinstadt. Bis 1940 hatte sich die Bevölkerung nochmals verdoppelt, in den 1950er und 1960er Jahren kamen dann jedoch noch wenige Hundert Einwohner dazu. In den 1970er Jahren beginnt der Tourismus mit dem Bau der Appartementanlage von Sibora und angrenzender Häuser eine Rolle zu spielen. Hauptwirtschaftszweig von Silos blieb und bleibt aber bis heute die Bananenproduktion und Landwirtschaft.

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