Walskelett an der Strandpromenade von Los Silos

von Jutta
Update:

Los Silos ist ein kostenloses Open Air Naturkundemuseum

An der Küste von Los Silos steht in unmittelbarer Nähe zum Meer das ca. 15 Meter lange Skelett eines Seiwals. Ganz einfach so im öffentlichen Raum, quasi in einem Open Air Naturkundemuseum. Hier kannst du, und das ohne einen einzigen Cent Eintritt zu zahlen, einen der größten Meeressäuger der Welt bewundern.

Das Walskelett von Los Silos: Vom Denkmal zum Wahrzeichen

Das 2008 aufgestellte Walskelett ist eine Hommage an die Giganten und großen Reisenden der Ozeane – die Wale. Zudem ist es ein Symbol für das respektvolle Verhältnis zwischen Mensch und Meer, sowie dessen Erhaltung und Schutz.

Im Laufe der Jahre ist der Wal von Los Silos zu einem der Wahrzeichen der Gemeinde geworden.

Walskelett an der Küste von Los Silos.

Ein Wal für Los Silos

Die Gewässer um die Kanarischen Inseln sind ein beliebter Aufenthaltsort für Wale und Delfine. Und angeblich kann man auch von dem Punkt aus, an dem der Wal aufgestellt wurde, vorbeiziehende Wale und Delfine beobachten. Bisher hatten wir noch nicht das Glück. Aber wir glauben fest daran, dass wir eines Tages erfolgreich sein werden.

Leider kommt es immer wieder vor, dass Wale leblos in den kanarischen Gewässern treiben oder an den Küsten stranden. So auch 2005, als ein toter weiblicher Seiwal vor Gran Canaria gefunden wurde. Lebendig war diese Wal-Dame wohl ungefähr 16-17 Meter lang und um die 20 Tonnen schwer.

Um zu untersuchen, woran der Wal von Gran Canaria gestorben ist, wurde das Tier an Land gebracht und von Forschern obduziert. Sie kamen zu dem Schluss, dass der Wal vermutlich an einer natürlichen Todesursache verstorben war, denn im Verdauungstrakt fanden sich zahlreiche Darmparasiten.

Seit 1980 analysieren und dokumentieren die Forscher der Canarias Conservación (cetaceans and sea turtle research society) systematisch warum oder woran die Wale gestorben sind. Sie schauen unter anderem, wie der Gesundheitsstatus der Tiere war und ob sie Krankheiten hatten. Auch der Mensch könnte direkt oder indirekt den Tod der gefundenen Wale verschuldet haben: Früher war der kommerzielle Walfang die Hauptgefahr, heute gilt das Verfangen in Fischereiausrüstung als großes Risiko für die Meeressäugetiere. Zudem sind alle Wale und Delfine durch  Meeresverschmutzung und Klimaveränderungen, Schiffskollisionen und Unterwasserlärm bedroht.

Das Skelett wurde präpariert, umfassend untersucht und dokumentiert. Das verleight ihm den Wert eines echten Museumstücks. Folglich wurde das Projekt 2007 im Museum für Natur und Mensch in Santa Cruz de Tenerife der Öffentlichkeit vorgestellt.

2008 erfolgte dann der Umzug des Walskeletts an die Küste von Los Silos. Zu diesem Zeitpunkt soll es in der gesamten EU nur zwei Skelette dieser Walspezies gegeben haben, die für die Öffentlichkeit zugänglich waren. Eins im Natural History Museum in London, das andere am Charco de la Araña in Los Silos.

„Nur wer die Natur kennt und liebt, wird sie schützen“…

…sagte Professor Heinz Sielmann. Die Älteren unter uns werden sich sicherlich an seine Fernsehdokumentationen „Expeditionen ins Tierreich“ erinnern, die viele Zuschauer nicht nur für die Natur begeistert, sondern auch für den Naturschutz sensibilisiert haben.

In dieser Tradition kann man auch den Wal von Los Silos sehen. Denn einiges begreift man eben besser, wenn man es sieht. Die schiere Größe des Wals zum Beispiel. Auch gibt es kaum jemand, der nicht die im Laufe der Evolution zu Flossen umgebildeten Arme und Hände bestaunt. Oder nachzählt, ob der Wal auch wirklich 7 Halswirbel hat. All das haben wir mal in der Schule gelernt, aber erleben und begreifen kannst du es hier in Los Silos.

Noch mehr interessante Informationen zu Seiwalen

  • Seiwale gehören zu den größten Säugetieren der Welt.
  • Nördliche Seiwale fressen täglich bis  600 kg. Am Winter am liebsten Krill und Ruderfusskrebse, im Sommer steigt der Anteil an Tintenfischen und Kalmaren gehören. Auch frisst er Schwarmfische, besonders gerne Köhler. Darauf bezieht sich der Name des Seiwals, denn seje ist der Name des schellfischverwandten Köhler.
  • Der Seiwal gilt auf Grund seiner Schwimmgeschwindigkeit mit rund 50 Kilometern pro Stunde, zumindest auf kurzen Strecken, als eine der schnellsten Walarten.
  • Gemütlicher unterwegs ist er vermutlich auf seinen saisonalen Wanderungen zwischen kälteren Gewässern im Sommer und wärmeren Gewässern im Winter. Im Sommer leben und ernähren sich die Seiwale in den gemäßigten und subpolaren Gewässern und wandern im Winter in die Hochseegewässer der Tropen und Subtropen.
  • Das Ausmaß dieser Wanderungen ist allerdings ebenso unbekannt wie die Anzahl der lebenden Exemplare dieser sehr stark gefährdeten Walart. Geschätzt wird, dass es nur noch 50.000 -80.000 Individuen weltweit gibt. Das ist nur noch rund ein Drittel der ursprünglichen Population, die durch den Walfang stark verringert wurde.

Boreal: Das Festival für den Wal

Dass Bewusstsein für Umweltschutz zu stärken, war ein wichtiger Aspekt bei der Einweihung des Wals im August 2008: Es gab begleitende Veranstaltungen zur Erhaltung des Meeres sowie Vorträge, Workshops und weitere Aktivitäten zur Umweltbildung.

Im September 2008 fand außerdem das erste Festival Boreal statt. Organisiert von Birding Canarias (einer regionalen, auf Umwelt, Natur und Ökotourismus spezialisierten Firma aus Los Silos), fand das Festival in Zusammenarbeit mit zahlreichen lokalen Künstlern, Unternehmen und Bewohnern der Region statt. Der Kerngedanke war es, ein Festival rund um Umwelt, Kunst und Musik zu schaffen.

Ich habe das Festival Boreal 2018 kennengelernt und konnte mir ehrlich gesagt nicht erklären, woher denn bitte der Name kommt. Boreal = Nördlich?  Für ein Fest auf den subtropischen Kanaren? Heute bin ich schlauer: Das Festival wurde zu Ehren des Wals von Los Silos benannt. Der wissenschaftliche Name des Wales ist nämlich Nördlicher Seiwal oder Balaenoptera borealis borealis.

Ein zweiter Wal in Los Silos

2011 ist dann wirklich ein Wal vor der Küste von Los Silos gestrandet, ein fast 12 Meter langer Pottwal. Es gab Bestrebungen auch diesen Wal in Los Silos aufzustellen. Ganz offenbar ist daraus nichts geworden.

Literatur

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